Schostakowitsch: Kantaten

schostajrviDie Brisanz dieser CD erschließt sich nur Hörern, die Russisch können. Für ein Konzert mit dem Estnischen Nationalen Symphonieorchester und dem Estnischen Konzertchor in Tallinn koppelte Paavo Järvi, der 1980, im Alter von 18 Jahren, mit seiner Familie aus Estland in die USA emigrierte, eine regimekritisch zu verstehende Kantate aus den 1960er Jahren mit zwei Lobeskantaten auf Stalin. Schostakowitsch schrieb sie 1949 bzw. 1952 sicherlich nicht aus Überzeugung, sondern um sein berufliches Überleben im Sowjetregime zu sichern. Sie nun mit den Originaltexten in Tallinn aufzuführen, brachte Järvi sogar Morddrohungen ein. Der aber sieht sie als unleugbaren Bestandteil in Schostakowitschs Oeuvre und verweist auf die Doppelbödigkeit, mit der der Komponist hier gearbeitet hat. Wer des Russischen nicht mächtig ist, kann drei Kantaten voller Pathos genießen, das manchmal ziemlich hohl tönt.
- Arnt Cobbers


Dmitrij Schostakowitsch: Kantaten
Die Hinrichtung des Stefan Rasin, Das Lied von den Wäldern, Über unserer Heimat scheint die Sonne
Estnischer Konzertchor, Estnisches Staatsorchester: Paavo Järvi
Erato

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