Schostakowitsch: Kantaten

schostajrviDie Brisanz dieser CD erschließt sich nur Hörern, die Russisch können. Für ein Konzert mit dem Estnischen Nationalen Symphonieorchester und dem Estnischen Konzertchor in Tallinn koppelte Paavo Järvi, der 1980, im Alter von 18 Jahren, mit seiner Familie aus Estland in die USA emigrierte, eine regimekritisch zu verstehende Kantate aus den 1960er Jahren mit zwei Lobeskantaten auf Stalin. Schostakowitsch schrieb sie 1949 bzw. 1952 sicherlich nicht aus Überzeugung, sondern um sein berufliches Überleben im Sowjetregime zu sichern. Sie nun mit den Originaltexten in Tallinn aufzuführen, brachte Järvi sogar Morddrohungen ein. Der aber sieht sie als unleugbaren Bestandteil in Schostakowitschs Oeuvre und verweist auf die Doppelbödigkeit, mit der der Komponist hier gearbeitet hat. Wer des Russischen nicht mächtig ist, kann drei Kantaten voller Pathos genießen, das manchmal ziemlich hohl tönt.
- Arnt Cobbers

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Schostakowitsch: Streichquartette Nr. 1, 8, 14

borodinKann ein Streichquartett seinen 70. Geburtstag feiern? Das Borodin-Quartett tut dies 2015, auch wenn die beiden dienstältesten Mitglieder gerade mal 19 Jahre dabei sind und die vier erst seit 2011 in der jetzigen Besetzung zusammenspielen. Insofern ist es natürlich ein anderes Quartett, das nun eine dritte Gesamteinspielung der Schostakowitsch-Quartette begonnen hat. Und doch kann man davon ausgehen, dass sich viele Dinge von der ersten Quartettgeneration, die dem Komponisten eng verbunden war, im Ensemble tradiert haben. Das macht diese sehr organisch sich entwickelnden, dichten, aber auch zurückgenommen wirkenden Lesarten besonders interessant.
- Arnt Cobbers

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Absorta est...

profondo2Der junge schweizer Countertenor Jan Börner und das Ensemble Il Profondo stellen zehn Werke des 17. Jahrhunderts vor, darunter drei Ersteinspielungen: geistliche Vokalmusik und dazwischen Instrumentalstücke von kaum bekannten Komponisten wie Johann Theile, Romanus Weichlein und Georg Schmetzer, aber auch von relativ bekannten Namen wie Rosenmüller, Pohle und Johann Christoph Bach. Börner singt sehr klar und innig, das mit Streichern, Dulcian, Theorben und einer original aus der Zeit erhaltenen Prozessionsorgel, einer absoluten Rarität, bunt besetzte Instrumentalensemble sorgt durch stetige Besetzungswechsel für Farbigkeit.
- Arnt Cobbers

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Woyrsch: Symphonie Nr. 3, Drei Böcklin-Phantasien

Woyrsch3Und noch mehr Futter für die Freunde unbekannter Symphonik: Für das Label cpo hat das Oldenburgische Staatsorchester unter Thomas Dorsch die dritte Symphonie von Felix Woyrsch (1860-1944) aufgenommen, der im frühen 20. Jahrhundert die zentrale Figur im Musikleben der damals selbständigen Stadt Altona bei Hamburg war. Hört man das im weiten Feld zwischen Bruckner und Brahms verortete Werk unbefangen, mag man kaum glauben, dass es erst 1928 uraufgeführt wurde. Doch das schmälert seinen Rang nicht: Die klassisch viersätzige Symphonie ist erstaunlich interessant gestaltet und sehr individuell, und auch die Drei Böcklin-Phantasien treffen den Charakter der Gemälde, darunter Die Toteninsel, genau.
- Arnt Cobbers

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