Haydn, Hummel: Prince Esterházy Concertos

leleuxIrgendwas ist da schief gegangen: Entweder stimmt der CD-Titel nicht, oder der Booklet-Text ist falsch recherchiert: Dabei ist es eigentlich eine wunderschöne CD, die der in München unterrichtende Oboist Francois Leleux mit dem Münchener Kammerorchester und Emmanuel Pahud als Co-Solist aufgenommen hat. Er präsentiert vier kaum bekannte Perlen des klassisch-frühromantischen Repertoires: ein 1822 in Weimar entstandenes Variationswerk von Johann Nepomuk Hummel, das Joseph Haydn zugeschriebene Oboenkonzert und zwei der fünf Konzerte, die Haydn für den sizilianischen König Ferdinand IV. schrieb. Dessen Lieblingsinstrument war die „lira organizzata“, auf Haydn-Deutsch „organisierte Lire“ genannt. Dabei handelt es sich um eine Drehleier mit einem hinzugefügten Pfeifenwerk. Orgelleier spielt heute niemand mehr hier, aber die vermisst man auch nicht, wenn Leleux und Pahud die Solostimmen klangschön und beschwingt spielen. Und des Kaisers Sekretär hatte ja auch einen Kollegen Haydns gebeten, darauf zu achten, „dass Sie den Gesang der Liren oder die Melodie in der Art der Oboe komponieren.“ Nur warum diese Werke „für den Hof von Prinz Nikolaus I. Esterházy“ entstanden sein sollen, wie es der Untertitel der CD formuliert, bleibt rätselhaft.
- Arnt Cobbers

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Schubert: Symphonie Nr. 8 C-Dur D 944

manacordaWas ist das sinnvollere Aufnahmeprojekt? Die vier unbekannten Symphonien von Salomon Jadassohn – eingespielt vom Brandenburgischen Staatsorchester Frankfurt – oder der gefühlt hundertste Zyklus der Schubert-Symphonien, den die Kammerakademie der Landeshauptstadt Potsdam mit der Nr. 8 fast vollendet hat? Schubert war der größere Komponist, keine Frage. Und die Kammerakademie spielt unter ihrem Chefdirigenten Antonello Manacorda wirklich sehr schön: spritzig, präzise, intensiv und dabei dank der kleinen Originalklang-beeinflussten Besetzung schlank und transparent.
- Arnt Cobbers

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Jadassohn: Symphonien 1-4

JadassohnEntweder taucht sein Name in den einschlägigen Lexika gar nicht auf, oder er wird als technisch versierter, aber ohne Inspiration schaffender Komponist kurz abgewatscht. Das ist ungerecht, denn Salomon Jadassohn, der 1831 in Breslau geborene und zu Lebzeiten sehr erfolgreiche Lehrer am Leipziger Konservatorium, konnte sehr wohl prägnante Melodien erfinden und spannungsreiche Bögen aufbauen. Und doch wirken seine vier „klassisch“ romantischen Symphonien insgesamt merkwürdig glatt und zu perfekt, um bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Doch das muss jeder Hörer selbst entscheiden, und es ist schön, dass das dank der sehr guten Einspielung des Frankfurter Orchesters möglich ist.
- Arnt Cobbers

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Gallo: 12 Sonate a Quattro

melanteMit ihrer fünften CD hat das Concerto Melante – Mitglieder der Berliner Philharmoniker und Spezialisten der Alten-Musik-Szene, die gemeinsam auf Originalinstrumenten musizieren – einen echten Coup gelandet: Sie stellen zwölf Sonaten des Italieners Domenico Gallo vor, deren Manuskripte Reinhard Goebel entdeckt hat, vor der Auflösung von Musica Antiqua Köln aber nicht mehr spielen konnte und stattdessen den Berlinern übergab. In stattlicher 17köpfiger Streicherbesetzung haben sie diese im Venedig Vivaldis entstandenen, aber stilistisch ganz anderen, nämlich geradezu altmodisch-gelehrten, jedoch kunstvoll-einnehmenden Sonaten stilvoll und beschwingt eingespielt.
- Arnt Cobbers

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