Die Entdeckung eines Genies

 foulds

John Foulds und sein Dynamic Triptych

Es ist höchst erfreulich, wie das Deutsche Sinfonie-Orchester seine Programme teils so unkonventionell zusammenstellt, dass sich alleine deswegen schon für viele eine weite Anreise lohnt. Dies gilt ganz besonders für das DeutschlandRadio-Debüt-Konzert am Dienstag, den 24. Februar in der Philharmonie unter der Leitung des einstigen Concertgebouw-Schlagzeugers und Abbado-Assistenten Gustavo Gimeno, der ab Herbst 2015 neuer Chefdirigent des Philharmonischen Orchesters Luxemburg sein wird.

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Der König tanzt

 Dornrschennl

Premierenkritik: Tschaikowksys Dornröschen
mit dem Staatsballet an der Deutschen Oper

Nein, wir befinden uns nicht bei Jean-Baptiste Lully und seinem Sonnenkönig – aber auch König Florestan tanzt, obwohl er sonst nie tanzt: Nacho Duato, der neue Leiter des Berliner Staatsballetts, erlaubt ihm und der Königin ein paar Schritte.  

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Ein echter Symphoniker

 Carlnielsen

Herbert Blomstedt über Carl Nielsen

Das Jahr 2015 ist das Jubiläumsjahr gleich dreier großer Symphoniker, die alle 1865 geboren wurden: Jean Sibelius, Alexander Glasunow und Carl Nielsen. Der schwedische Dirigent Herbert Blomstedt ist einer der wenigen, die die Werke des dänischen Komponisten seit langem schon immer wieder aufs Programm setzen. Bei einem Interview, das Arnt Cobbers im Jahr 2005 mit ihm führte, gab er auf die Frage, was ihn an Nielsens Musik fasziniere, aus dem Stehgreif eine geradezu umfassende Einführung.  

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"Wir machen zeitgenössische Musik"

Spark


Ein  Blind gehört mit Andrea Ritter und Daniel Koschitzki von Spark

 

Ihr ungewöhnlicher Stilmix, den sie auf zwei Blockflöten, Geige, Cello und Klavier mit der „Power“ einer Rockband präsentieren, bescherte ihnen 2011 den ECHO in der Kategorie „Klassik ohne Grenzen“. Ihre CD „Folk Tunes“ beim Marktführer „Deutsche Grammophon“ wurde ein Jahr später ein ziemlicher Erfolg. Nach drei Jahren Pause erscheint nun beim Label Berlin Classics die neue CD „Wild Territories“ der Band Spark – Anlass genug, das Blind gehört, das Arnt Cobbers Ende 2012 in Karlsruhe mit den beiden Bandgründern führte, noch einmal zu bringen. Dies sind Andrea Ritter und Daniel Koschitzki, die zuvor dem renommierten Blockflötenensemble Amsterdam Loeki Stardust Quartet angehörten und neben Spark weiterhin als Solisten tätig sind. Beim Anspielen der CDs besprachen sich die beiden anfangs leise wie in einer Quizshow, bevor sie dann, wenn die Musik aus war, eine abgestimmte Antwort gaben. Später kommentierten sie auch während der Musik.  

Alfonso de Sabio: Maravillosos et Piadosos. Quartetto con Affetto 1999. Animato
Andrea Ritter: Das klingt nach einer mittelalterlichen Estampie – so etwas haben wir mit Loeki auch gespielt, das macht total Spaß. Durch die Bordunklänge und die improvisationsartigen Linien, die man darüber spielt, eignet sich das sehr für Blockflötenensembles. Und man kann, vor allem wenn man in Kirchen spielt, wunderbare Farben und Klanglandschaften schaffen. Daniel Koschitzki: Mich hat es auch sehr angesprochen. Dass es Loeki nicht ist, haben wir beide sofort gehört, dafür kennen wir den Klang der Gruppe zu gut. Ich glaube zwischendurch gehört zu haben, dass eine Frau atmet – das klingt anders als bei einem Mann. Und es hat insgesamt viel weibliche Energie. Ich müsste mich sehr irren, wenn es nicht ein weibliches Flötenquartett wäre. [Stimmt!] Da gibt es nicht so viele. Nicht Flautando Köln? Dann ist es das Quartetto con Affetto. Gut gemacht, die improvisatorischen Einlagen sind phantasievoll gestaltet. AR: Blockflötenquartett spielen wir gar nicht mehr. Dieses Repertoire haben wir mit Loeki ausgelotet, und als das auseinanderging, war klar, es musste was Neues kommen. Etwas ganz anderes. DK: Wir wollten zeigen, dass die Blockflöte noch ganz andere Möglichkeiten hat.

Antonio Vivaldi: Concerto per flauto g-moll RV 445. Dorothee Oberlinger, Ornamente 99 (2001). Marc Aurel 
AR: Das ist eines der ganz großen Bravourstücke für Blockflötisten. ... Diese Stelle bietet die absolute Höchstschwierigkeit. Super gespielt! DK: Das ist Dorothee Oberlinger, das erkennt man an der blitzsauberen Technik, am Timing, an der Phrasengestaltung, es gibt nicht viele, die dieses Stück so spielen können. Und ich bin mir sicher, das stammt von ihrer ersten Vivaldi-Platte. Sie hat das Konzert vor kurzem nochmal aufgenommen, und da hört man, dass sie über die Jahre noch etwas expressiver geworden ist. Aber auch dies hier ist eine unglaublich schöne Referenzaufnahme. AR: Das ist tolle Musik, aber ich bin schon im Studium in Richtungen gegangen, die noch nicht besetzt sind und wo ich mich besser ausdrücken kann. Ich habe früh die Zusammenarbeit mit Pianisten gesucht, um zum Beispiel neoromantische Musik aus der Mitte des 20 Jahrhunderts zu spielen. DK: Das ist ein kleines, aber sehr feines Repertoire, das wir beide gelegentlich auch im Duo auf die Bühne bringen – ich habe auch Klavier studiert.

Edvard Grieg: Norwegischer Tanz Nr. 2, op. 35. Michala Petri, English Chamber Orchestra: Okko Kamu 1993. BMG 
AR: Michala Petri erkennt man am ersten Ton. Sie hat eine ganz prägnante Art zu spielen. Und ich finde es großartig, wie sie ständig versucht, das Repertoire zu erweitern. DR: Sie ist die einzige, die der Blockflöte als solistisches Instrument außerhalb des Barockrepertoires ein großes Podium verschafft hat. Ich habe sie zwei, drei Mal live gesehen – sie ist allein schon technisch über jede Kritik erhaben. Und sie spielt unglaublich sauber, was verdammt schwer ist auf der Blockflöte, wenn es in entlegene Tonarten geht – da muss man mit halben und Viertellöchern arbeiten. Da kann man nur sagen: Hut ab. AR: Diesen Grieg zu spielen, reizt mich jetzt nicht. Aber aus Michala Petris Kompositionsaufträgen für Blockflöte und Orchester sind einige sehr schöne Stücke entstanden.

Kolsimcha - The World Quintett: Flatbush Minyan Bulgar, aus: The World Quintet 2002. enja 
DK: Das ist das World Quintet, von denen haben wir schon einige CDs im Tourbus angehört. Die sind super. Unterhaltsam, mit sehr viel Anspruch und cleveren Arrangements. Jazz ist ein Universum für sich. Mein Bruder hat Jazz studiert, da habe ich etwas Einblick bekommen in die Komplexität von Jazz-Improvisation. Ich finde es ganz schwierig, sich als klassischer Musik ex hohlo Baucho anzumaßen, man könne das. Das geht meist in die Hose. Wir fünf haben uns ganz klar entschieden: Vom Jazz lassen wir die Finger. AR: Wir improvisieren gern in den Proben und wenn wir ein neues Stück erarbeiten, aber im Konzert ist alles ausnotiert. Natürlich gibt es Freiheiten in Überleitungen zwischen den Stücken oder in Kadenzen, aber das sind eher kleine Teile. DK: Der Schlagzeuger dieser Gruppe ist Klasse. Als wir angefangen haben mit Spark, haben uns viele Komponisten geraten, ein Schlagzeug hinzuzunehmen. Aber für uns besteht der Reiz darin, die Energie eines Schlagzeugs auf unterschiedliche Instrumente zu verteilen, statt zu sagen: Das Schlagzeug sorgt für den Beat.

Rodrigo Leao: Locus Secretus, aus: Theatrum 1996. Sony Classical 
DK: Die Oboe ist wahrscheinlich echt, aber der Rest kommt aus dem Synthesizer, oder? (Laut Booklet nicht.) Dann ist es sehr stark nachbearbeitet. Das ist produziert, um die Klassik-Charts zu stürmen. Ich fand das Minimalistische am Anfang ganz schön, aber in dem Moment, wo der Mönchsgesang dazukam, war es vorbei. (lacht) AR: Wobei wir nichts gegen Synthesizer oder Elektronik haben. Die werden wir bestimmt noch mal einsetzen, wir wollen uns in alle Richtungen ausprobieren. Aber dann wird es anders klingen als das hier.

Radio String Quartet Vienna: Moonriver, aus: Radiodream 2011. Act 
AR: Das hat Loeki auch gespielt. DK: Ich suche noch immer nach der Melodie. Ah, jetzt hab ichs auch. Prinzipiell finde ich, dass man mit Arrangements vorsichtig sein muss, und ich weiß nicht, ob wir uns an diesen All-Time-Evergreen heranwagen würden. Ich finde es clever, dass man zunächst die Melodie nicht wahrnimmt und sie bis zum Schluss eingegraben ist in so eine Klangfläche, das ist raffiniert gemacht. Ist es doch das Radio String Quartet? Von denen haben wir alle CDs, nur nicht diese neueste. Das ist eine sehr innovative Truppe, die haben tolle Arrangements. Sie sind durch ihr Label Act vor allem im Jazzbereich unterwegs, könnten aber genauso gut auf Klassik-Festivals spielen. Das Publikum ist erstaunlich offen für Neues, ist unsere Erfahrung. AR: Von Klosterkonzerten bis zur Rockbühne hatten wir schon alles, aber wir laufen eigentlich unter Klassik. Wenn wir in ganz traditionellen Reihen spielen und ältere Leute kommen und sagen: So jung haben wir uns lange nicht mehr gefühlt, dann tut das gut. Da hat man das Gefühl, vielleicht sind wir auf dem richtigen Weg. DK: Ich würde unsere Musik auch nicht als Genre-Fusion bezeichnen, wie es immer wieder getan wird. Wir machen das, was wir uns als wirklich zeitgenössische Musik vorstellen. Vieles von dem, was als zeitgenössische Musik bezeichnet wird, hat für mich den Retrolook der 70er Jahre. Unsere Musik nimmt Anleihen in Rock, Pop, Jazz, Minimal Music, Filmmusik, Volksmusik. AR: Das spiegelt unsere Hörgewohnheiten, die wir aber aus Sicht eines klassischen Musikers weiterentwickeln. DK: Wer uns im Konzert erlebt oder unsere Platten mit aufmerksamen Ohren hört, wird gar nicht auf die Idee kommen, unsere Musik als Pop oder Jazz zu bezeichnen. Wir spielen Klassik, aber mit der Energie der heutigen Zeit.

- Arnt Cobbers 2012 

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